Erklärung

MundArt

Der Sagen- und Märchenerzähler

Eine Spurensuche

Die drei Typen der Erzähler

Lezza Uffer unterscheidet in "Rätoromanische Märchen und ihre Erzähler" zunächst drei Typen des Erzählers: den passiven Erzähler, den Gelegenheitserzähler und den bewussten Erzähler. Als "rachintader cunaschia", als anerkannter Erzähler gilt nur der letztere. Der Geschichtenschatz des guten Erzählers ist schier unerschöpflich. Der gute Erzähler hat ein inneres Interesse an seiner Erzählung. Er ist mit Sitten und Bräuchen seiner Umgebung verwachsen. Der bewusste Erzähler arbeitet mit Überlegung und Einbildungskraft am Erzählstoff weiter. Der gute Erzähler der seine Geschichten vielleicht jahrzehntelang immer wieder erzählt, trägt sie in seiner nur im bestimmten Art vor. Der gute Erzähler geht als Künstler, im Wechsel des Sprechtempos, des Rhythmus und der Wortwahl oft seinen eigenen Weg. Er ist sich seiner Fähigkeit auf diesem Gebiet jederzeit bewusst. Sein grosses Geschichtenrepetoir zeichnet den guten Erzähler als wirkliche Erzähler aus. Auch weiss er zu scheiden zwischen seinen Geschichten und denen, die andere erzählen. Er ist sich aber sehr wohl bewusst, dass nur er seine Geschichten so erzählen kann wie er sie zu erzählen im Stande ist. In vielen Fällen ist der passive Erzähler Schwankerzähler, der Gelegenheitserzähler Sagenerzähler und der bewusste Erzähler Märchenerzähler.

 

Das Märchen ist Dichtung, die Sage ist Wahrheit

- Der Sagenerzähler ist historisch interessiert

- Der Märchenerzähler ist Künstler

- Der Sagenerzähler ist dem Stoff historisch verpflichtet. Er erzählt die Geschichte immer gleich.

- Der Märchenerzähler, kann den Stoff frei gestalten. Er hat die künstlerische Begabung und Freiheit dazu.

- Der beste Erzähler ist der Märchenerzähler

Es gibt nun natürlich sowohl unter den Sagen- und Märchenerzählern bewusste Erzähler. Es gibt aber einen grossen Unterschied zwischen den beiden. Wenn nähmlich der bewusste Erzähler als Orginal bezeichnet wurde, so gilt dies nur für den bewussten Märchenerzähler. Er ist nähmlich gerade deshalb ein Orginal, weil er Künstler ist, weil er sich mit Überzeugung einer Sache widmet, die vom einfachen Volk nicht ganz ernst genommen wird. Während der Sagenerzähler seine Geschichten, die von ihm und dem Volk geglaubt werden, immer in der gleiche Form erzählen muss, hat der Märchenerzähler die künstlerische Freiheit seinen Stoff frei zu gestalten.

Dafür ist der Sagenerzähler in der Gesellschaft geachtet, als Mann der sehr viel weiss. Er ist berufen die Erzählungen die im Volk leben zu hüten. Der Märchenerzähler aber gilt als Phantast. Seine Geschichten werden nicht geglaubt.

 

Soziologische Funktion des Erzählens

Wem wurde erzählt? Wann und wo wurde erzählt? Bei welcher Gelegenheit wurde erzählt? Und was war der Zweck des Erzählens? Kindern wurde wahrscheinlich immer schon erzählt. Noch um die Jahrhundertwende wurde viel Erwachsenen erzählt. Meist trafen sich an Erzählabenden nur die Männer. Der Zweck des Erzählens scheint vorwiegend der Zeitvertreib gewesen sein. Im allgemeine wurde nur am Feierabend erzählt. Man traf sich in Stuben oder in Ställen. Selten wurde auch am Sonntag erzählt. Am meisten wurde aber in den Maiensässen erzählt und zwar mehr im Spätherbst als im Frühling und bei gemeinsamen Arbeiten wie Maiskolben ausschälen oder Hanfbrechen. Dann und wann wurde auch in den Spinnstuben erzählt.

Den vollständigen Beitrag ist Nachzulesen in Rätoromanische Märchen und ihre Erzähler, Lezza Uffer, Schriften der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, Band 29

chilte und wybe

 

 

 

 

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